13 August, 2011

6 Dinge

Schon die weißen Siedler wussten, wie man es sich am Kap höchst gemütlich einrichtet. In Kapstadt kann man einen westlichen Lebensstandard mit allen Schikanen führen. Man wohnt in hippen Apartments, trinkt Jägermeister auf Eis in durchgestylten Bars, ist mit dem Macbook lässig Wi-Fi-mäßig unterwegs, fährt BMW und kauft seinen Billabong-Sweater in einer schicken Shoppingmall, die Wachleute sind mit Segways unterwegs. An ein paar Dingen merkt man jedoch trotzdem, dass man eigentlich in Afrika ist:


1. Im Fernsehen wird angezeigt, wenn die Elektrizitätsversorgung der Stadt ein kritisches Level erreicht. Man wird dann per Fernseher aufgerufen, unnötige Stromquellen auszuschalten. Leute haben mir erzählt, dass früher der Strom noch öfter ausgefallen ist. Ich habe das bisher jedoch kein einziges Mal erlebt.

Ein Problem ist, dass Kupferdraht sehr begehrt ist (weil gut zu verkaufen), und daher ganze Leitungen oft von Dieben gekappt und "geklaut" werden. Die Diebe sind halt arm - aber einfaltsreich ;-)

2. Im Radio laufen Songs, die Du seit 20 Jahren nirgends mehr gehört hast. "Ace of Base", "MC Hammer" oder auch "Sandra" werden hier gespielt, als seien es die neusten Hits. Wann habt Ihr zum letzten Mal "Funky cold Medina" gehört? Ich wusste gar nicht mehr, dass dieses Lied überhaupt existiert hat! Beim Hören hab ich dann aber doch die Fenster runtergekurbelt, die Sonnenbrille tiefer ins Gesicht rutschen lassen, den Ellenbogen rausgenommen und ganz cool mitgesprochen 
"So I got up and strolled over 
To the other side of the cantina 
I asked the guy: "Why you so fly?" 
He said: "Funky cold medina"!" 
Muss ich demnächst unbedingt bei iTunes runterladen!

3. In jedem Supermarkt gibt es Bibeln zu kaufen.

4. Wenn Du Geld abheben möchtest, fragt Dich der Geldautomat vorher, ob er in Afrikaans, Englisch, Setswana, Xhosa, isiSotho, Zulu oder den restlichen 5 Landessprachen mit Dir sprechen soll.

5. Wenn man schwarze, renommierte Sterneköche, die täglich mit den feinsten Speisen hantieren und garantiert ein raffiniertes Austernrezept kennen, fragt, auf welche Speise sie in ihrem Leben auf keinen Fall verzichten wollten, dann antworten sie: "Pap natürlich!"

Pap ist eine feste Maismehlpampe, DIE Arme-Leute-Speise und wird in ganz Afrika morgens, mittags, abends und zwischendurch gegessen.

6. In afrikanischen Gesichtern findet man reine, ursprüngliche Freude, die auf Dich abstrahlt. Der Grund der Freude: Am Leben sein. Mehr nicht. In manches afrikanisches Gesicht guckst Du, und Du weißt auf Anhieb alles. Alles, was die Person in sich drin trägt. Haben wir verlernt, unsere Seele nach Außen zu kehren?

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