»We live in constant fear«, so heißt nicht nur eine Zeile eines Songs der aus Südafrika kommenden Band »Dear Reader«, sondern das bezeichnet tatsächlich ein Lebensgefühl.
Touristen und neu Zugezogene wollen das immer nicht recht glauben, denn die Straßen sind doch sauber, die Lichter brennen, die Häuser sind neu gestrichen, die Läden voll. Und die Schwarzen, die sind doch so nett!
Ich wollte es anfangs auch nicht glauben.
Aber hier die aktuelle Kriminalitätsstatistik von mir und Leuten aus meinem Umfeld:
Gisa (beste Freundin):
1. Diverse Male Batterie aus ihrem parkenden Auto geklaut, Scheibe hinten eingeschmissen. Irgendjemand hat einen Batteriehandel mit ihren Batterien beliefert. Sehr mühsam, ständig neue zu kaufen. Selbst auf die Lauer legen hat nicht geholfen. Dann kamen die Diebe nämlich nicht.
2. Toter vor der Haustür, den eine schwarze Straßengang aus dem fahrenden Auto geworfen hatte. Konsequenzen: keine. Die Mörder hat man festgenommen, doch wieder freigelassen. Wahrscheinlich hatten sie genügend »Kleingeld«, um sich bei der Polizei freizukaufen. Oder die Polizei hatte selber Schiss vor der Gang. Gerechtigkeit? Was ist das denn.
3. DVD-Player aus dem Haus geklaut (es war ein schwarzer Nachhilfeschüler ihres Mitbewohners, einem engagierten Lehrer).
Andi (Arbeitskollege):
1. Abends nettes, schwarzes Mädel mit nach Hause genommen, am nächsten Tag waren Laptop und Handy weg. Und das Mädel war natürlich auch weg;-)
2. Eben noch einen Drink mit netten, sympathischen »Locals« in einer Bar gehabt, Minuten drauf zusammengeschlagen (höchstwahrscheinlich von denselben, netten »Locals«) in der belebten Ausgehstraße "Long Street", blaues Auge, blaue Rippen. Stunden später vor der Hautür aufgewacht, blutend. Kreditkarte weg, Konto leergeräumt bis auf den letzten Cent. Er muss den Schlägern während des Zusammenschlagens den Pin genannt haben. Hat man die Typen gekriegt? Natürlich nicht.
Gesine (Arbeitskollegin):
1. Im Schlaf ausgeraubt. Jemand muss durchs Fenster gekommen sein und hat Laptop und Handy mitgenommen. Ohne, dass sie es bemerkt hat. Gruselig. Weil sie dann Schiss in der Wohnung hatte, hat sie bei einer Freundin übernachtet am nächsten Abend.
2. Was passiert am nächsten Morgen? Auto aufgebrochen, Soundanlage weg.
Besitzer der ENGEN-Tankstelle bei mir in der Näher:
1. Alles hochgesichert, Kameras überall, Safes mit Doppelcodes. Eine neue, schwarze Angestellte spaziert eines Morgens mit 26.000 Rand aus der Kasse einfach aus der Tür raus. Ihr Name, ihre Anschrift, Telefonnummer: alles gefälscht. Perücken oder Kunsthaar tragen die eh alle. Die hat man nicht gekriegt.
Ich:
1. Bei einem Spaziergang Sonntagnachmittag steht auf einmal ein Kerl mit einem Messer vor mir. Handy, Bargeld weg.
2. Beim Einkaufen zweimal Handy, Brieftasche: weg. Darüber regt man sich schon gar nicht mehr auf!
3. Ein kongolesischer Bekannter räumt mir die Bude leer. Laptop, Kamera weg. Bei der Polizei gewesen, die haben ihn sogar verhaftet. Er streitet alles ab und belügt die Polizei. Die Polizisten sind nicht die hellsten hier, das kommt noch dazu. Lange Rede, kurzer Sinn: Außer Spesen nichts gewesen. Gerechtigkeit? Wie buchstabiert man das?
Es gibt unzählige Geschichten mehr. Sie wiederholen sich alle. Jeder aus meinem Umfeld hat hier schon sein Fett weg bekommen.
Gisa sagt immer:
»Man kann froh sein, wenn der Kopp noch dran ist.«
Es ist unglaublich mühsam manchmal.
Und leider machen diese ganzen Erfahrungen das Miteinander zwischen Schwarz und Weiß auch nicht grad einfacher.